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Joel Burghardt: „Viele Unternehmen haben Millionen in Digitalisierung investiert und stehen heute trotzdem am Anfang“

Warum der digitale Fortschritt der letzten Jahre für viele Betriebe zur Falle wird und was das KI-Zeitalter jetzt wirklich verlangt.

Es war die große Aufgabe der letzten zehn Jahre. Weg vom Papierkram, raus aus den Excel-Tabellen, rein in die Cloud. CRM-Systeme wurden eingeführt, ERP-Lösungen implementiert, digitale Workflows aufgebaut. Millionen investiert. Berater bezahlt. Mitarbeiter geschult.

Und jetzt?

Jetzt sitzen viele Unternehmen vor einer digitalen Infrastruktur, die zwar funktioniert, aber bereits wieder veraltet wirkt. Nicht weil sie schlecht gebaut wurde. Sondern weil sich das Spielfeld grundlegend verändert hat.

Joel Burghardt, Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures und KI-Verantwortlicher einer Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen, bringt es direkt auf den Punkt: „Digitalisierung war nie das Ziel. Sie war eine Zwischenstufe. Und viele Unternehmen haben diese Zwischenstufe für die Ziellinie gehalten.“

Herr Burghardt, das klingt hart. Sollen Unternehmen das Gefühl haben, dass ihre Investitionen umsonst waren?

„Nein, das wäre falsch. Wer digitalisiert hat, hat eine Grundlage geschaffen. Aber die Frage ist, was jetzt damit passiert. Ein CRM-System, das nur Daten speichert, ohne daraus zu lernen, ist im Jahr 2026 nicht mehr ausreichend. Ein ERP, das Prozesse abbildet, aber nicht automatisiert, kostet mehr Aufwand als es spart. Die Systeme sind da. Aber sie denken nicht.“

Was meinen Sie damit konkret?

„Digitalisierung hat Prozesse sichtbar gemacht. Das war wichtig und richtig. KI macht Prozesse intelligent. Das ist ein komplett anderer Schritt. Viele Unternehmen sind bei Schritt eins stehen geblieben und nennen es Transformation. Das ist es nicht.“

„Ich sitze regelmäßig in Unternehmen, die stolz berichten, dass sie seit drei Jahren komplett papierlos arbeiten. Gut. Aber ihre Angebote werden noch manuell geschrieben. Ihre Kundenkommunikation läuft noch durch fünf Hände. Ihre Auswertungen brauchen noch Tage. Das ist keine Transformation. Das ist digitaler Papierkram.“

Wie reagieren Geschäftsführer, wenn Sie das so sagen?

„Manche werden defensiv. Das verstehe ich. Niemand hört gerne, dass das, wofür er viel Geld ausgegeben hat, nicht ausreicht. Aber die meisten merken schnell, dass ich nicht kritisiere, was war, sondern zeige, was jetzt möglich ist. Und das ist deutlich mehr, als die meisten sich vorstellen.“

Was ist der konkrete Unterschied zwischen einem digitalisierten und einem KI-fähigen Unternehmen?

„Ein digitalisiertes Unternehmen hat seine Prozesse in Software abgebildet. Ein KI-fähiges Unternehmen lässt seine Prozesse von Systemen verbessern, beschleunigen und teilweise vollständig übernehmen. Der Unterschied im Alltag ist enorm.“

„Ein Beispiel aus meiner eigenen Arbeit: Due-Diligence-Prozesse, die früher Wochen an manueller Recherche und Aufbereitung gebraucht haben, laufen heute automatisiert in Stunden. Softwareprojekte, die früher Monate an Abstimmung gebraucht haben, entstehen heute in Tagen. Das sind keine Ausnahmen. Das ist der neue Standard für Unternehmen, die KI wirklich einsetzen.“

Viele Unternehmen sagen, sie haben keine Ressourcen dafür. Zu wenig Personal, zu wenig Budget, zu wenig Zeit.

„Das höre ich oft. Und ich sage dann immer: Der Ressourcenmangel ist kein Argument gegen KI. Er ist das stärkste Argument dafür. Wer zu wenig Personal hat, kann es sich nicht leisten, Aufgaben manuell zu erledigen, die ein System in Minuten übernehmen könnte. Wer zu wenig Budget hat, sollte aufhören, für Tools zu zahlen, die nur halb passen. KI ist keine zusätzliche Investition. Sie ist die Antwort auf genau diese Engpässe.“

Was raten Sie einem Unternehmen, das jetzt den nächsten Schritt machen will?

„Nicht bei null anfangen. Die digitale Grundlage ist da, das ist gut. Aber den nächsten Schritt konkret angehen. Einen Prozess nehmen, der heute zu viel Zeit kostet. Fragen: Was passiert hier, welche Schritte wiederholen sich, wo verlieren wir täglich Stunden? Und dann nicht ein weiteres Tool kaufen, das das Problem halb löst. Sondern eine Lösung bauen, die genau passt.“

„Wer das einmal gemacht hat, denkt danach anders. Der nächste Prozess geht schneller. Und plötzlich merkt man, dass die Systeme, in die man vor fünf Jahren investiert hat, das Fundament sind für etwas, das wirklich funktioniert.“

Haben wir als Wirtschaftsstandort Deutschland noch genug Zeit, um aufzuholen?

„Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt. Die ehrliche Antwort: Es wird knapper. Weltweit entfällt der Großteil der KI-getriebenen Wertschöpfung auf eine kleine Gruppe von Unternehmen. Diese Gruppe wächst nicht proportional. Sie wächst exponentiell. Wer heute nicht dabei ist, kämpft morgen gegen einen Vorsprung, den man nicht mehr einholt.“

„Deutschland hat starke Unternehmen, gute Strukturen und solide digitale Grundlagen. Was fehlt, ist der Mut, den nächsten Schritt wirklich zu gehen. Nicht als Pilotprojekt. Nicht als Experiment. Sondern als operative Entscheidung.“


Zur Person: Joel Burghardt ist Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures. Mit asps.ai hat er ein System entwickelt, das Softwareentwicklung von Grund auf neu denkt. Unternehmen setzen auf ihn, wenn KI nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt werden soll.

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