Boris Becker: Aufstieg, Triumph und zweite Chance

Boris Becker gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Tennisspieler aller Zeiten, und zugleich als eine der widersprüchlichsten Figuren im internationalen Sport. Sechs Grand-Slam-Titel, drei Wimbledon-Triumphe, Weltruhm mit 17 Jahren, Insolvenz, Gefängnis und die beständige Suche nach einem Neuanfang: Sein Leben liest sich wie ein Roman, den kein Drehbuchautor glaubwürdiger hätte schreiben können. Dieser Artikel zeichnet die biografie einer Tennislegende nach, deren Geschichte noch längst nicht zu Ende erzählt ist.
Schnellüberblick: Wer ist Boris Becker?
Boris Franz Becker wurde am 22. November 1967 in der baden-württembergischen Stadt Leimen geboren. Als Rechtshänder mit einhändiger Rückhand und einem druckvollen Aufschlagspiel im Serve-and-Volley-Stil prägte er eine ganze Ära im tennis. 1985 gewann er als 17-Jähriger und ungesetzter spieler das Wimbledon-Turnier, ein Triumph, der ihn über Nacht zum jüngsten Herren-Champion in der geschichte dieses Turniers machte. Insgesamt holte der tennisspieler sechs Grand-Slam-Titel im Einzel und wurde damit zu einer Ikone des deutschen Sports.
Nach seiner aktiven tenniskarriere übernahm Becker zahlreiche Rollen: Er arbeitete als unternehmer, tv experte, trainer und Autor. Als coach betreute er unter anderem Novak Djokovic und später Holger Rune. Sein Buch „Das leben ist kein spiel“ wurde zum Bestseller. Doch sein leben war von extremen Höhen und Tiefen geprägt, vom Weltruhm über finanzielle Probleme und eine Insolvenz bis hin zu einer Haftstrafe in England und dem Versuch, sich ein neues Kapitel zu erarbeiten.

Kinder- und Jugendjahre: Von Leimen nach Wimbledon
Boris Becker wuchs in einer sportaffinen Familie auf. Sein Vater Karl Heinz Becker, ein Architekt, hatte den Tennisclub Blau-Weiß Leimen mitgegründet und die Anlage mitgeplant. Mutter Elvira, deren Familie aus der Tschechoslowakei stammte, unterstützte den jungen Boris von Anfang an. Bereits im alter von drei bis vier Jahren begann er auf dem Clubgelände zu spielen, ein Ort, der für ihn zur zweiten Heimat wurde.
Früh zeigte sich sein Talent: Im badischen Verband gewann er Juniorenturniere, darunter den Orange Bowl im doppel 1982. Der Entschluss, sich ganz dem sport zu widmen, fiel früh und konsequent, er verließ das Gymnasium mit 16 Jahren für den Leistungssport. Die Förderung durch trainer Günther Bosch und den erfahrenen Manager Ion Țiriac professionalisierte seine karriere ab Mitte der 1980er-Jahre entscheidend. Țiriac brachte strategisches Denken und internationale Vernetzung ein, Bosch sorgte für die technische Weiterentwicklung.
1984 wurde Becker tennisprofi. Bereits in seinem ersten Profijahr holte er einen Doppeltitel in München. Der eigentliche Wendepunkt kam 1985: Beim ATP-turnier am Queens Club in London sicherte er sich seinen ersten Einzeltitel auf Rasen, das perfekte Sprungbrett für Wimbledon.
Der historische Durchbruch: Wimbledonsieg 1985
Der Sommer 1985 veränderte alles. Boris Becker reiste als ungesetzter Außenseiter zum prestigeträchtigsten grand slam turnier der welt nach London. Niemand erwartete, dass ein 17-jähriger Deutscher das Turnier gewinnen würde. Wimbledon galt mit seinem Rasenbelag, seiner mehr als hundertjährigen Tradition und seiner kulturellen Strahlkraft als die Kathedrale des Tennis, ein Ort, an dem Erfahrung und Nervenstärke über Siege entschieden.
Am 7. Juli 1985 stand Becker im finale gegen den erfahrenen Kevin Curren. In vier Sätzen (6:3, 6:7, 7:6, 6:4) sicherte er sich den titel. Mit 17 Jahren und 227 Tagen wurde er zum jüngsten wimbledon sieger der Geschichte im Herreneinzel, und zum ersten ungesetzten gewinner dieses Turniers überhaupt. Boris Becker gewann 1985 mit 17 Jahren Wimbledon und schrieb damit Sportgeschichte.
Die medialen Reaktionen in deutschland waren beispiellos. Über Nacht wurde der Teenager zum Nationalhelden, die Boulevardpresse taufte ihn liebevoll „Bobbele“. Die Live-Übertragungen erreichten Rekordquoten, Titelblätter zeigten sein jubelndes Gesicht wochenlang. Zusammen mit Steffi Graf, die zur selben Zeit an die Spitze des Damentennis stürmte, löste Becker einen Tennis-Boom aus, der die deutschen Vereine füllte und eine ganze Generation zum Schläger greifen ließ. Dieser wimbledon sieg war weit mehr als ein sportlicher Erfolg, er war ein kulturelles Ereignis.

Sportliche Karriere: Grand Slams, Weltrangliste und Davis Cup
Die Jahre zwischen 1985 und 1999 bildeten eine der eindrucksvollsten Karrieren im Herrentennis. Boris Beckers sechs grand slam titel im Einzelnen:
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Turnier |
Jahr |
Finalgegner |
|---|---|---|
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Wimbledon |
1985 |
Kevin Curren |
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Wimbledon |
1986 |
Ivan Lendl |
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Wimbledon |
1989 |
Stefan Edberg |
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US Open |
1989 |
Ivan Lendl |
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Australian Open |
1991 |
Ivan Lendl |
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Australian Open |
1996 |
Michael Chang |
Er gewann dreimal das Wimbledon-Turnier, 1986 zum zweiten und 1989 zum dritten mal. Bei den french open blieb ihm der Titelgewinn trotz mehrerer Halbfinal- und Viertelfinaleinzüge verwehrt, was zu den wenigen Lücken in seiner Erfolgsbilanz zählt. Insgesamt gewann er sechs grand slam titel und erreichte weitere Endspiele.
Am 28. Januar 1991 erreichte Boris Becker erstmals Platz 1 der weltrangliste, eine Position, die er insgesamt rund zwölf Wochen innehatte. Er war die Nummer 1 der atp-Weltrangliste und damit an der Spitze seines Sports angekommen.
Im davis cup war Becker die zentrale Figur des deutschen teams. Er war entscheidend am Gewinn des Davis Cups für Deutschland in den Jahren 1988 und 1989 beteiligt. Legendäre Fünf-Satz-Matches prägten sein Image als kompromissloser Kämpfer, der für sein team alles gab. Deutschland wurde unter seiner führung zur führenden Tennisnation, ein Umstand, der ihm den inoffiziellen Status eines weltmeister des deutschen Tennis einbrachte.
Ein weiterer Höhepunkt: Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewann Boris Becker die Goldmedaille im Herrendoppel an der seite von Michael Stich. Dieser sieg hatte sportpolitisches Gewicht, es war die erste Olympiade eines wiedervereinigten Deutschlands. Dazu kamen drei Titel bei den ATP-Saisonfinalturnieren (1988, 1992, 1995) sowie 49 Einzeltitel und 15 Doppeltitel insgesamt. Boris Becker wurde mehrfach als sportler des jahres in Deutschland geehrt.
Spielstil und Bedeutung für den deutschen Tennis-Boom
Was Boris Becker auf dem Platz so besonders machte, war die Verbindung aus Athletik, Risikobereitschaft und emotionaler Intensität. Sein Spitzname „Bumm-Bumm-Boris“ entstand nicht zufällig, Becker gilt als Bumm-Bumm-Boris wegen seines harten Aufschlags, der Gegner regelmäßig überforderte. Dazu kamen spektakuläre Hechtsprünge ans Netz, blitzschnelle Volleys und eine Körpersprache, die jede Emotion transportierte.
In den Duellen mit Rivalen wie Stefan Edberg, Ivan Lendl und Andre Agassi zeigte sich seine mentale Stärke besonders deutlich. Das Wimbledon-finale 1989 gegen Edberg ist ein Paradebeispiel: Becker dominierte durch überlegenes Netzspiel und sichere Returns und sicherte sich den titel gegen einen ebenbürtigen Gegner. Jede niederlage gegen diese Kontrahenten machte ihn hungrier auf den nächsten sieg.
Der Einfluss auf den deutschen sport war immens. Zusammen mit Steffi Graf löste Becker in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren einen beispiellosen Tennis-Boom aus: Vereinsmitgliedschaften explodierten, TV-Quoten stiegen in zweistellige Millionenhöhe, neue Tennisanlagen wurden überall im Land gebaut. Becker wurde zur Kultfigur, ein prominenter, dessen Matches ganz Deutschland vor den Bildschirm brachten. Seine Erfahrungen in extremen Drucksituationen prägten später auch sein Verständnis von mentalem Coaching, das er als tennistrainer an die nächste Generation weitergab.
Privatleben: Beziehungen, Ehen und Lilly Becker
Kaum ein anderer sportler der 1990er Jahre war derart häufig thema in der Boulevardpresse wie Boris Becker. Sein Liebesleben wurde zum öffentlichen Gut, nicht immer zu seinem Vorteil.
Seine erste ehefrau war Barbara Feltus, die spätere Barbara Becker. Das Paar heiratete 1993 und bekam zwei Söhne: Noah (geboren 1994) und Elias (geboren 1999). Die Ehe galt lange als stabil, zerbrach aber Anfang der 2000er Jahre an der Belastung durch öffentlichen Druck und persönliche Differenzen.
Nach der Trennung von Barbara folgten weitere Beziehungen, unter anderem mit der Sängerin Sabrina Setlur und der Tänzerin Caroline Rocher. Keine dieser Partnerschaften hielt dauerhaft.
Die Beziehung zu Sharlely „Lilly“ Kerssenberg begann Mitte der 2000er Jahre. Becker heiratete Lilly Kerssenberg im Juni 2009 in St. Moritz. Der gemeinsame sohn Amadeus Benedict Edley Luis, bekannt als Amadeus Becker, wurde 2010 geboren. Die Ehe schien zunächst Stabilität zu bringen, doch Becker und Lilly trennten sich im Mai 2018. Die Scheidung und die folgenden juristischen Auseinandersetzungen zwischen Boris und Lilly Becker über finanzielle Fragen und öffentliche Aussagen wurden zu einem Dauerthema in den nachrichten. Die bilder und nachrichten aus Gerichtsfluren gehörten jahrelang zum medialen Alltag rund um den ehemaligen tennisprofi.
Vaterschaft, Familie und seine Kinder
In Interviews und in seinen Büchern hat Boris Becker stets betont, dass seine kinder sein „größter Stolz“ seien. Die Familiengeschichte ist komplex, aber sie zeigt auch einen Mann, der Verantwortung, wenn auch nicht immer sofort, übernommen hat.
Seine fünf Kinder in der Reihenfolge ihrer Geburt:
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Noah Gabriel (geboren 1994), sohn aus der Ehe mit Barbara Becker
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Elias Balthasar (geboren 1999), sohn aus der Ehe mit Barbara Becker
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Anna Ermakova (geboren 2000), Tochter aus einer Affäre mit dem russischstämmigen Model Angela Ermakova
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Amadeus Benedict Edley Luis (geboren 2010), sohn aus der Ehe mit Lilly Becker
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Zoë Vittoria (geboren 2025), Tochter mit Lilian de Carvalho Monteiro
Boris Becker hat drei Söhne: Noah, Elias und Amadeus. Seine Tochter Zoë wurde 2025 geboren. Besonders die Vaterschaft von Anna Ermakova sorgte jahrelang für Schlagzeilen: Becker leugnete zunächst öffentlich, ihr Vater zu sein, ehe ein DNA-Test Klarheit brachte. Die spätere Anerkennung und Annäherung, gemeinsame Auftritte, ein Treffen der Geschwister 2006, zeigten einen Wandel. Heute ist das Verhältnis offenbar gut. Becker lebt mehrsprachig in verschiedenen Ländern, und Tochter Anna Ermakova wurde erfolgreiches Model. Die Patchwork-Familie bleibt eine Herausforderung, aber Becker stellt in jeder öffentlichen Äußerung seine kinder in den Mittelpunkt, sie seien ihm wichtiger als jeder titel.
Unternehmer, Pokerfan und die Schattenseite der Finanzen
Boris Becker versuchte früh, seine Popularität in geschäftlichen Erfolg umzumünzen, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. In den 1990er Jahren erwarb er drei Mercedes-Benz-Autohäuser in Mecklenburg-Vorpommern, die er später wieder abstieß. Seine Autohäuser in Mecklenburg-Vorpommern wurden nicht mehr rentabel, was einen ersten Hinweis auf die finanziellen Schwierigkeiten gab, die folgen sollten.
Parallel diente er als Markenbotschafter für Sportartikel, Banken und Online-Poker-Anbieter wie PokerStars und PartyPoker. Seine Leidenschaft fürs Poker ging über bloße Werbung hinaus: Er nahm regelmäßig an Turnieren teil, auch in Monte Carlo, und beschrieb Poker als ein Spiel, das ihm mehr Kontrolle gebe als manche seiner geschäftlichen Risiken.
Becker erlebte sowohl Erfolge als auch finanzielle Probleme in seiner Unternehmerkarriere. Hohe Lebenshaltungskosten, teure Scheidungen und verlustreiche Investments summierten sich über die Jahre zu einer Schuldenlast, die kaum noch zu bewältigen war. Becker gab an, Geld habe für ihn nie im Vordergrund gestanden, eine Aussage, die angesichts seiner Insolvenz von Kritikern als naiv, von Sympathisanten als ehrlich bewertet wurde.
Insolvenz, Strafverfahren und Haftzeit in England
Trotz geschätzter Karriereeinnahmen im zweistelligen Millionenbereich wurde Boris Becker zur Symbolfigur für prominente mit finanziellen Problemen. 2017 wurde ein Insolvenzverfahren gegen Boris Becker durch ein Londoner Gericht eröffnet. Die Veröffentlichung der Gläubigerlisten machte das Ausmaß seiner Verbindlichkeiten schmerzhaft sichtbar.
Was als Insolvenzverfahren begann, weitete sich zu einem Strafprozess aus. Die Vorwürfe lauteten auf Vermögensverschleierung: Becker soll im Rahmen des Insolvenzverfahrens Vermögenswerte absichtlich nicht offengelegt haben, ein Verstoß gegen den britischen Insolvency Act 1986. Seine Verteidigung argumentierte mit mangelnder Kenntnis der rechtlichen Pflichten und der Komplexität seiner internationalen Finanzen. Das Gericht folgte dieser Linie nicht.
Im April 2022 wurde Boris Becker wegen Vermögensverheimlichung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Freiheitsstrafe von 30 Monaten wurde an einem Londoner Gericht verkündet. Becker begann seine Haft im berüchtigten HM Prison Wandsworth, wurde später nach Huntercombe verlegt. Er wurde nach acht Monaten Haft frühzeitig entlassen, am 15. Dezember 2022, und nach Deutschland abgeschoben, da er als ausländischer Staatsbürger die Voraussetzungen für eine frühe Freilassung erfüllte.
Die Zeit im gefängnis beschrieb Becker später als einschneidendes Erlebnis. In Interviews sprach er, auf englisch und Deutsch, über Angst, Isolation und eine erzwungene Selbstreflexion. Er bezeichnete die Haft als eine Art „Reinigung“, die ihm klar gemacht habe, was im leben wirklich zählt. Boris Becker finanzierte seine Haft teilweise mit seiner Autobiografie, die er während und nach der Haftzeit überarbeitete und erweiterte.

Bücher und Selbstreflexion: „Das Leben ist kein Spiel“ und die Gefängnis-Memoiren
Boris Becker hat seine Lebensgeschichte mehrfach literarisch aufgearbeitet, stets mit dem Anspruch, sein öffentliches Bild selbst zu deuten. Seine wichtigsten Veröffentlichungen:
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„Das Leben ist kein Spiel“ (Autobiografie, 2003): Schilderung von Kindheit in Leimen, professionellen Erfolgen, den ersten privaten und finanziellen Krisen. Der Buchtitel wurde zur Metapher für den Preis des Ruhms.
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„Boris Becker’s Wimbledon“ (2015): Ein persönlicher Blick auf seine Beziehung zum All England Club und die drei Wimbledon-Titel.
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„Inside“ (Memoir, HarperCollins, veröffentlicht 2026): Beckers offenster Text, über 231 Tage Haft, Haftbedingungen, Reue, Verantwortung und die Frage, wie man nach dem tiefsten Fall wieder aufsteht.
Die zentralen Botschaften, die er in diesen Werken transportiert: der Umgang mit Ruhm, Verantwortung gegenüber Familie und Gesellschaft, die Notwendigkeit einer zweiten Chance. Bei der Buchpremiere von „Inside“ in Berlin wurde er von seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro und seinen Kindern begleitet, ein bewusst gesetztes Signal des Neuanfangs. Der Titel „leben ist kein spiel“ fasst seine biografie in einer einzigen Zeile zusammen: Erfolg allein schützt nicht vor den Konsequenzen unbedachter Entscheidungen.
Karriere nach dem Profi-Tennis: Trainer, TV-Experte und Funktionär
Nach seinem Rücktritt 1999 verschwand Boris Becker nie ganz aus dem Tennis. Boris Becker hatte eine bedeutende Medienpräsenz nach seiner Sportkarriere. Als tv experte analysierte er bei Sendern wie Eurosport, BBC und Sky die großen Turniere der welt, seine Einschätzungen, manchmal kontrovers, immer fundiert, fanden auch durch videos und Clips ein breites Publikum.
Seine wichtigste Station als tennistrainer war die Zusammenarbeit mit Novak Djokovic. Becker war von 2013 bis 2016 Coach von Novak Djokovic. Unter Beckers führung gewann Djokovic in dieser Phase sechs grand slam titel, darunter Wimbledon 2014 und 2015 sowie die Australian Open 2015 und 2016. Becker wird zugeschrieben, Djokovics mentale Stärke geschärft und eine aggressivere Spielweise gefördert zu haben, eine Weiterentwicklung, die maßgeblich zu diesen grand slam siegen beitrug.
Parallel übernahm er Funktionärsaufgaben: Becker wurde 2017 als Head of Men’s Tennis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) vorgestellt. Er führte innovative Trainingsprogramme im deutschen Tennis ein und setzte sich für die Förderung junger Talente als Teil der nachfolge einer neuen Generation ein. 2020 trat er von diesem Posten zurück, offiziell wegen Zeitmangels, faktisch auch wegen der Belastung durch sein laufendes Insolvenzverfahren.
2023 kehrte Becker als coach von Holger Rune zurück, den er als „Rohdiamant“ bezeichnete. Zudem tritt er als Speaker auf, wobei seine vortragsthemen führung, Mentalstärke und Krisenmanagement umfassen, informationen und Erfahrungen, die aus einer einzigartigen Lebensgeschichte stammen.
Aktuelle Entwicklungen, öffentliche Wahrnehmung und Kontroversen
Das öffentliche Bild von Boris Becker hat sich in den vergangenen Jahren tiefgreifend gewandelt: Vom makellosen Nationalhelden zum fehlbaren, aber reflektierten Menschen. Jeder neue artikel über ihn bewegt sich zwischen Bewunderung und Kopfschütteln.
Stabilität bringt seine Partnerschaft mit Lilian de Carvalho Monteiro. Becker ist seit 2020 mit Lilian de Carvalho Monteiro zusammen. Die politische Risikoanalystin, die fünf Sprachen beherrscht, ihre sprache verbindet akademische Tiefe mit persönlicher Wärme, hat ihm nach eigenen Aussagen geholfen, nach der Haft ins leben zurückzufinden. Das Paar heiratete im September 2024 in der Cervara Abbey nahe Portofino. Im November 2025 wurde Tochter Zoë Vittoria geboren.
In Interviews und auf seiner seite in sozialen Medien (Instagram, X, Facebook) teilt Becker bilder und news aus seinem Alltag, von Tennisarbeit bis Familienleben. Die Rezeption bleibt gespalten: Einige Medien betonen seine Fallhöhe, andere loben seine Offenheit. Zitate wie „Ich bin endlich erwachsen geworden“ stehen neben kritischen Fragen zu ungelösten finanziellen Verpflichtungen gegenüber Lilly Becker und anderen Gläubigern.
Die Ambivalenz seiner Person macht ihn zu einer Figur, die polarisiert, Legende und Mahnfigur in einer Person. Becker lebt das, was man im englisch sprachigen Raum „redemption arc“ nennt, doch ob dieses Kapitel ein gutes Ende nimmt, ist noch offen.

Vermächtnis: Was bleibt von Boris Becker?
Vierzig Jahre nach seinem ersten wimbledon sieg wird Boris Beckers karriere 2025 neu bewertet. Boris Becker wurde 2003 in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen, eine Anerkennung, die seine sportliche Leistung für die Ewigkeit festhält.
Sein sportliches Erbe reicht weit über die eigenen titel hinaus. Spieler wie Alexander Zverev stehen in einer Tradition, die Becker mitbegründet hat. Seine grand slams, sein Stil und seine Mentalität haben eine nachfolge inspiriert, die den deutschen Tennis-sport bis heute prägt.
Abseits des Platzes engagiert sich Becker sozial: Er ist stellvertretender Vorsitzender der Laureus Sports for Good Foundation, Botschafter der deutschen AIDS-Stiftung und Vorstandsmitglied der Elton John AIDS Foundation. Diese Arbeit zeigt eine seite des ehemaligen sieger, die in den Schlagzeilen oft untergeht.
Kulturell bleibt sein Bild komplex. Der „Bobbele“-Mythos der 1980er-Jahre, die Triumphe als becker 1 1 gegen die Besten der welt, die Abstürze, all das hat sein Vermächtnis reicher und widersprüchlicher gemacht, als es ein glatter Heldenmythos je sein könnte.
Die Lehren aus seinem leben sind universell: Früher Ruhm schützt nicht vor Fehlern. Verantwortung im Umgang mit Geld, Familie und Öffentlichkeit ist kein optionales Extra. Der Titel seines Buches, „Das leben ist kein spiel“, fasst zusammen, was Boris Becker der welt zu sagen hat. Ob er die zweite Chance als coach, Mentor und Mahner nutzen wird, entscheidet darüber, wie die geschichte eines der faszinierendsten sportler Deutschlands endet.



